Vier Jahre Lieserich

Unglaublich. Der Lütte ist jetzt "nicht mehr klein", nein. Er ist vier, mit vier ist man groß, das wußten schon die Liese und die Pippi beim erreichen dieser magischen Zahl.
Manchmal kommt es mir vor, als sei das erst gestern gewesen: Oktober 2013, zehn Tage Lieserich


Der "Bauchfrosch". Heute finde ich den Namen albern, aber die Schwangerschaftshormone scheinen irgendwie den abgeklärten, rationalen Teil meines Kopfes heftig bombardiert zu haben. Macht nichts, ich war immer gerne schwanger, und ein bißchen den Kopf in den Wolken darf man in dieser besonderen Zeit schon haben *find*.
Die Umstände seiner Geburt waren ja nun nicht die erfreulichsten. Ich kann mich auch vier Jahre später noch daran erinnern, wie skurril ich das fand, mit 40-Wochen-Kulle durch den strömenden Regen zur S-Bahn zu rollen, naiverweise anzunehmen, dass einem irgendjemand mit der dicken Plautze vielleicht einen Sitzplatz anbietet (ey! Hier ist Balin! ) und dann morgens um halb acht völlig durchnässt, nüchtern und vor Aufregung fast durchdrehend an einem Kreißsaal zu klingeln, um von der diensthabenden Hebamme erstmal aufgrund eines vermeintlichen "Wunschkaiserschnitts" abgewatscht zu werden. Nachdem wir das geklärt hatten, dauerte es trotz Termins nochmal gut zweieinhalb Stunden, bis er endlich da war. Zweieinhalb Stunden. Nüchtern, ohne Kaffee, im Funkloch und vor Aufregung mit den Zähnen klappernd. Allein. Ich war ja bei den Mädels auch zumindest phasenweise allein, aber bei der Entbindung vom Lieserich habe ich mich echt einsam gefühlt, mit dieser Hebamme, und der Warterei, und im Funkloch, wo ich nichtmal den virtuellen Beistand der besten Hosentaschensitzerinnen von allen empfangen konnte. Der Fragebogen, auf dem ich nochmal (!) ankreuzen sollte, ob nicht vielleicht gleich die Sterilisation erfolgen solle, wo man doch quasi schon dabei sei, Bauch offen und so, hat es auch nicht besser gemacht. Aber dann war er da, und ich habe gesehen, wie er aus dem Bauch auf die Welt gehoben wurde. Und, wie jedes Mal, mitten ins Herz. Ich habe jedes meiner Kinder sofort geliebt, ansatzlos. Dafür bin ich besonders deshalb sehr dankbar, weil ich in allen vier Schwangerschaften viermal lange depressive Phasen hatte, und viermal eine postpartale Episode hinterher. Aber die Liebe, die kam jedesmal direkt mit zur Welt. Das hat uns auch jedes Mal getragen, wenn der Hormonabfall die Wochenbettdepression mit auf den Weg geschickt hat.

Charité, 26.09.2013, nachmittags. Große Begeisterung.
und dann zuhause. Noch größere Begeisterung, zumindest bei den Damen
Oktober 2013. Gewöhnlicher Aufenthaltsort des Wichtes
 Die beiden großen Schwestern haben ihn geliebt, von Moment eins an. Sie haben ihn betüddelt, herumgeschleppt, getröstet, wenn er weinte und ich nicht gleich konnte. Er hat, wie die Pippi auch, im Tuch gewohnt anfangs. Das war gut für uns alle, er war immer nahebei, und die Mädels haben sich nicht zurückgesetzt gefühlt, ich hatte ja die Hände frei für alles, was so anlag. Ich wiederhole mich, aber ohne die Möglichkeit, zu tragen hätte es hier keine vier Kinder gegeben.

Und nun ist er also selber vier. Strohblond, rotzfrech, gewitzt, mit einem unglaublichen Wortschatz und dem familieneigenen Dickschädel ausgestattet. Das Hähnchen im Hühnerstall, der von seinen großen Schwester abwechselnd als "Superbruder" und "Blödmann" geschätzte bzw. geschmähte, von der kleinen Schwester angehimmelte Lieserich. Er treibt mich zur Verzweiflung mit seinen Launen, die kleinsten Nichtigkeiten führen zu unfassbaren Wut- oder Verzweiflungsanfällen. Er bringt mich zum Lachen mit seinem Wortwitz und seinem Hintersinn. Er macht mir das Herz ganz weit auf mit seiner Fähigkeit, immer im richtigen Moment sehr fürsorglich zu werden, mit der Mini, wie auch mit den beiden älteren Damen oder seinen Freunden. Es ist ganz anders, Mama für einen Jungen zu sein, als für ein Mädchen, und ich bin sehr dankbar, dass ich diese Erfahrung machen darf, ich hätte das vorher nämlich energisch bestritten und behauptet, das sei unterschiedslos. Ist es nicht. Er ist unglaublich laut, beim reden wie beim spielen, er ist rumpelig, auch im Kleidchen oder im Mia&Me-Kostüm, er liebt Autos, Dinos und diesen ganzen "Jungskram", ohne, dass wir dafür irgendwas getan hätten. Er steht auf Feuerwehr, Polizei, Wettkämpfe, Fußball, Kräfte messen, Raufereien, alle diese Dinge, die die Mädchen auch mögen, aber in einem ganz anderen Ausmaß. Ich bin so froh, dass er dabei ist in der Bande. Ich bin so verdammt dankbar für diese vier superen Kinder, die ich beim großwerden begleiten darf. Auch, wenn mich das manchmal über die Grenzen meiner Belastbarkeit hinaus bringt. Das gehört wohl dazu, zu diesem Elternding.
26.09.2017, morgens vor dem Kindergarten.
Derselbe Tag, nachmittags beim Geschenkeauspacken. Stilecht im Gebutstagshemd, gewünscht war dieses Jahr ein Poloshirt. Puh.  Das war ganz schön frickelig mit dem Kragen. Aber er liebt es, und das ist ja, was zählt.


Extrem verspätet: die Party zu seinem Geburtstag. Krankheitsbedingt konnte die erst Mitte Oktober stattfinden, aber dafür wurden wir mit einem Spätsommertag im Herbst belohnt: 20°, Sonne satt. So lässt es sich schnitzeljagen und Schatz suchen. 

 So spät war noch kein Geburtstagspost, glaube ich. Macht aber vielleicht nichts. Auch hier nochmal: Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, mein kleiner, großer Superlieserich. Ich bin so froh, dass du dabei bist, in der Bande, und ich liebe dich sehr. 















Kommentare

  1. Auch von hier sehr spät - herzlichen Glückwunsch, kleiner Lieserich. GROSSER Lieserich! <3. Irgendwie erinnert mich mein Jüngster immer an Dich. Vielleicht, weil er auch so strohblond ist.

    Ich fühle so sehr nach, was Du schreibst, Arlette, auch über das "Geschenk" des anderen Geschlechts. Ja, es ist eigentlich egal, was für ein Geschlecht die Kinder haben, man liebt sie natürlich über alles. Aber es ist doch besonders, auch die andere Seite kennenzulernen, wenn man die eine Seite schon 2 mal erlebt hat. Vielleicht fühle ich mich deshalb oft so extra verbunden, mit Dir, weil es hier die genau gegensätzliche Konstellation ist. Unsere Prinzessin ist einfach in manchen Dingen ANDERS, als die Jungs und es ist so wahnsinnig spannend. Und bereichernd, für unsere Familie. Durch und durch. Und ich weiß noch genau, wie ich schon ziemlich schwanger mit ihr bei Euch in "Balin" war. Unser erster Besuch bei Euch, immer unvergessen. Und wie Du Dir damals schon so sehr ein 3. Kind gewünscht hast. Und gar nicht lange danach ist der Lieserich bei Dir "eingezogen". Und jetzt ist er schon 4. Unglaublich.... ich drück Dich ganz ganz fest und hoffe so sehr, wir sehen uns bald mal wieder!

    Lilo

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