Viel mehr als Traurigkeit

... so lautet der Titel der gestrigen 37° Reportage im ZDF. Thema, na klar, Depressionen. 
Ich finde den Titel irreführend und ärgerlich, weil Traurigkeit wenigstens ein Gefühl ist. Und die Depression bei mir so oft alle Gefühle einfach abschaltet, glücklich und traurige, einfach alle. Übrig bleibt dann das, was Michael Ende in der unendlichen Geschichte mit dem "nichts" perfekt beschreibt. Und das macht es so wahnsinnig anstrengend. Nach 15 Jahren kann ich für mich sagen, ich kann alle Gefühle irgendwie aushalten. Unerträglich ist dieses nicht-fühlen, nicht-sein, nicht-können. DAS macht den Gedanken, dass die Welt ohne einen selbst darin eine bessere wäre so verlockend, wenn es dunkel wird. 

 Der Ort, an dem ich es auch aushalte, wenn es dunkel ist innendrin. 


Die Reportage selber fand ich so naja geht so. Wie häufig bei diesem Format, wurden zwei Protagonisten eine Weile begleitet: ein Familienvater Ende 40, der erst mit Burn Out fehldiagnostiziert wurde und nach einem Suizidversuch lernt, mit der Erkankung umzugehen. Und eine Bloggerin Ende 20, die seit mehreren Jahren mit derselben Diagnose lebt, wie ich selbst. Rezidivierende depressive Episoden.

Das war schon gut gemacht, blieb aber letztlich, auch aufgrund der Kürze des Sendeformats, ziemlich an der Oberfläche. 
Zwei Dinge haben mich sehr berührt: die Erkenntnis der Bloggerin, dass die Krankheit eben Teil ihres Lebens ist, und wohl immer sein wird. Ich weiß das selber, und auch schon eine Weile. Aber ich versuche jedes Mal, wenn es wieder hell wird, das zu vergessen. Hier ist es gerade nicht wirklich hell. Und in dieser Phase bringt mich die Tatsache, dass das so ist, dass es immer so sein wird, und dass ich nichts tun kann, um das zu verhindern, ziemlich zur Verzweiflung. Der schwarze Hund ist mal kleiner, und auch mal verreist. Aber er kommt wieder, zuverlässig, ohne Vorankündigung und ohne zu fragen. Ganz egal, was ich tue.
Es geht mir nicht gut damit, gerade. Denn hier ist es schon so lange so mitteldunkelhellgrauschwarz. Und das Medikament, mit dem ich gerade versuche, das Licht heller zu drehen, ist nicht das richtige. Es hilft nicht, nachdem ich erst dachte, das sei anders. 

Der andere Aspekt, der mir sehr zu schaffen macht, viel mehr noch, als die zuverlässige Wiederkehr, ist, dass Kinder niemals unberührt bleiben können von einer solchen Erkrankung. Die Kinder des Familienvaters aus der Reportage sind in Therapie, alle drei. Um mit der Krankheit des Vaters leben zu lernen. 
Das hat mich volle Breitseite erwischt. Ich bin immernoch so naiv, dass ich glaube, unsere Kinder mit meiner Erkrankung nicht belasten zu müssen in einem Maß, dass es sie so beschäftigt, dass sie vielleicht Hilfe brauchen damit. Seit gestern habe ich große Zweifel daran. 
Immerhin, das macht mich zumindest traurig. Was ja wenigstens mal ein Gefühl ist. 

Wer nachgucken mag:



Kommentare

  1. Einfacher haben es die Kinder nicht, das ist klar. Auch wenn wir denken vieles verstecken zu können, die Kleinen haben super Antennen für Mamas Befinden. Das sehe ich jeden Tag an meinen beiden. Ich wünsche, ich könnte jetzt was ganz tolles sagen was alles gut macht, aber das kann ich leider nicht. Ich für mein Teil habe gesehen, das es meinen Kindern hilft wenn ich ehrlich bin und nichts von denen verstecke. Ob man das auch mit deinem schwarzen Hund so machen kann...keine Ahnung. Ich wünsche dir aber von ganzem Herzen dass es bald wieder heller wird, dann kannst du bestimmt auch besser über viele Sachen nachdenken.
    Fühl dich fest gedrückt,
    Lee

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  2. Liebe Paula,

    ich lebe ja auch schon seit vielen Jahren mit Depressionen und Anfangs habe ich mich sehr gegen Medikamente gewehrt und sie immer gleich wieder abgesetzt, wenn es eine Weile gut ging. Das ist natürlich der falsche Weg, denn dann kommen neue depressive Phasen. Mittlerweile habe ich akzeptiert, dass die Tabletten einfach dazu gehören. Ich habe in den ersten Jahren aber auch mehrere unterschiedliche Medikamente ausprobiert, bis ich das für mich richtige gefunden habe. Ich will dir Mut machen, es mit einem neuen Medikament zu versuchen. Auch wenn das Eingewöhnen und Absetzen manchmal ziemlich schwierig ist, hilft es so sehr, wenn man dann auf das richtige Medikament gut eingestellt ist und der "schwarze Hund" weg bleibt oder sich nur mal aus der Ferne blicken lässt.
    Wegen der Kinder denke ich auch, dass sie auf jeden Fall etwas davon mit bekommen. Aber ich denke, sie können lernen damit umzugehen, wenn du es ihnen offen und kindgerecht erklärst. Mittlerweile gibt es ja viele Kinderbücher zum Thema. Bei uns hier gibt es auch eine Gruppe für Kinder psychisch kranker Eltern, die sich regelmäßig trifft, das finde ich auch gut.
    Ich denke, es muss den Kindern nicht schaden, wenn man vernünftig damit umgeht. Es gibt ja auch Kinder von gehörlosen Eltern oder Eltern im Rollstuhl, die können auch nicht alles mit ihren Kindern machen, was andere Eltern machen. Nobody ist perfekt und das betrifft auch Eltern.
    Ich wünsche dir alles Gute!
    Liebe Grüße, Tabea

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  3. Hach Paula....

    ich verstehe Deine Sorge um Deine Kinder sehr, sehr gut. Aber nur weil man keine Depressionen hat, heißt das noch lange nicht, dass man seinen Kindern gute Dinge in den Rucksack packt. Gerade weil Du Dir so sehr bewußt bist, was Du Deinen Kindern eventuell an unschönen Dingen mitgeben könntest, bekommen sie davon am Ende vielleicht viel weniger mit, als andere Kinder....
    Eines bekommen Deine Kinder ganz sicher auch mit, das weiß ich einfach, weil ich es schon so oft miterlebt habe: ganz viel Liebe. Vergiß das nicht. Ich finde es sehr bewundernswert, wie Du mit Deinen Kindern umgehst, auch dann, wenn es dunkelschwarz um Dich herum ist. Deine Kinder werden wissen, was mit Dir los ist. Aber sie werden auch wissen, was Du für eine tolle Mutter bist.

    Ich drück Dich.

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  4. Ja, die Kinder... bei einer Mutter lösen sie viele Selbstzweifel und Schuldgefühle aus. Und ich schließe mich Lilo an. Andere Kinder bekommen andere Sachen ihrer Eltern mit, die sie verunsichern. Und diese Eltern sind sich dessen vielleicht nicht mal bewusst!
    Ich gehe mir jetzt mal diese Sendung anschauen.
    Liebste Grüße

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