Die nächste 4, heute mit 0 hintendran

4 ist hier die Zahl des Jahres. Vor gut drei Wochen das vierte Kind, zwei Tage vorher der 4. Geburtstag der Pippi, und gestern dann meine persönliche 4, nur echt mit der 0 hintendran.
Ich bin nun also 40 Jahre alt, "g'scheid geworden", wie die Schwaben behaupten. Ungefähr Halbzeit, wenn man aufs große Ganze guckt und auf das Alter, was meine Omas erreicht haben.

Ich mag eigentlich keine Geburtstage, also, meine eigenen, die mag ich nicht. Letztlich sind sie nur Zeichen dafür, dass die Zeit immer schneller rennt, und der eigentliche Tag ist oft einer, wie jeder andere auch. Trotzdem hab ich unterschwellig immer die Erwartung, der Tag müßte irgendwie spezieller und schöner sein, als üblicher Alltag. Und bin dann abends geknickt, wenn und weil es nicht so war. So auch gestern, trotz Besuchs am nachmittag und lecker Kuchen vom Gatten. Ich hatte zwei wirklich blöde Telefonate, von denen ich mir ziemlich die Laune hab verderben lassen, statt einfach aufzulegen. Zusammen mit meiner Grunderkrankung, der hormonellen Umstellung inklusive leichter Wochenbettdepression, reichlich Existenzangst (unser Vermieter hat uns, ich habs schon erzählt, wegen Eigenbedarf gekündigt. Wir sind sechs Nasen und keine Großverdiener. Die Mieten in Berlin steigen leider schneller, als unsere Einkommen) und generell eher nah am Wasser gebaut, ergibt das eine ganz dumme Mischung, aber keinen geglückten Start ins neue Lebensjahrzehnt. Puh, ich bin einfach extrem empfindlich zur Zeit und nerv mich selber damit. Nutzt ja aber nix, der Geburtstag verschiebt sich deswegen leider nicht irgendwohin, wo er besser passt. Ich bin nur froh, dass die Miniliese die ursprünglich mal angedachte Party eh schon im Frühjahr hat platzen lassen, weil ich da schon keine Lust hatte, bei Stilltee und mit Neugeborenem vor der Brust zu feiern. So mach ich einen Haken an den doofen Tag, und feier vielleicht den 41. Geburtstag groß. Oder gar nicht. Vielleicht hab ich bis dahin wenigstens mal aufgehört zu heulen, seit gestern abend klappt das irgendwie nicht so gut. Die Tränen laufen und laufen und laufen und ich finde den Hahn zum zudrehen nicht mehr. Nervt auch.


Ich habe jedenfalls beschlossen, dass das neue Lebensjahrzehnt besser wird, als sein Start. Und ich habe, weil das zum Anlass passt und eh meine Art ist - manchmal viel mehr, als gut ist für mich -  zurückgeschaut. Das waren ganz schön schnelle zehn Jahre, ich kann mich noch sehr, sehr gut an den Sommer 2005 erinnern und der war nicht glücklich, kein bißchen. Zu meinem 30. Geburtstag hatte ich mein Leben so gründlich vor die Wand gefahren, dass ich ernstlich Zweifel hatte, jemals nochmal wirklich auf die Füße zu kommen. Hätte mir vor zehn Jahren jemand erzählt, dass ich mit 40 vier Kinder haben würde, verheiratet sein und in Berlin leben, ich hätte ihm wohl gesagt, dass er ganz schlechtes Kraut geraucht hat. So fern war mir alles das. Vor zehn Jahren hätte ich einen Eid geschworen, niemals Kinder zu haben und auch niemals zu lernen, mit meinen immer wiederkehrenden Löchern zu leben, und trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen?) sehr intensiv Glück und Dankbarkeit empfinden zu können. Wo viel Schatten ist, scheint das Licht umso heller, wenn es mal da ist. So hat mir das meine Therapeutin mal erklärt, und ich finde oft Trost darin, wenn es sehr dunkel ist in meiner Seele.
Aber so ist das wohl mit dem Leben - es ist immer das, was passiert, während du eifrig andere Pläne machst. 
Für das neue Lebensjahrzehnt wünsche ich mir Gesundheit für meine Familie und mich, und dass meine Kinder möglichst unbelastet von meinen schwarzen Löchern aufwachsen dürfen. Ich hab oft Angst, dass ich ihnen ein großes Päckchen mitgebe mit dieser Krankheit, die wohl nie ganz aus meinem Leben verschwinden wird, und frage mich, ob es vielleicht verantwortungslos war, diese Kinder zu bekommen in dem Wissen, dass ich seelisch nicht immer stabil bin. 
Ich wünsche mir noch mehr Souveränität im Umgang mit den Depressionen und generell mehr Gelassenheit im Leben. Ich wünsche mir, ein besserer Freund sein zu können für die, die mir am Herzen sind und die es echt nicht immer leicht haben damit, mein Freund zu sein.  
Danke, dass es euch gibt und ihr mit mir seid, heute und hoffentlich die nächsten 40 Jahre.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Muttergefühle.Zwei - Mamas Buch issas

RUMS # 30/2017 - ein Sommeroutfit für den Herbst?

RUMS # 35/2017 - maritim in Niederbayern und ein letztes Mal im Sommer