Montag, 26. September 2016

3 Jahre 3fach-Mama

Donnerstag, 26.09.2013, 05:58 Uhr. 
Der Wecker klingelt. Vor dem Fenster rauscht gleichmäßig der Regen. Eigentlich ein Fall für Snooze und nochmal zu, die Augen. 
Tja. 
Dummerweise hatte ich Snooze zu dem Zeitpunkt schon etwa dreimal bemüht. Regen hatte schon immer eine beruhigende Wirkung auf mich. Sogar am Tag der geplanten Landung unseres dritten Kindes, die für halb acht angesetzt war. Anreisedauer bei funktionierender S-Bahn-Verbindung etwa 45 Minuten. Plus Fußwege. Und das mir, die ich morgens echt laaaaangsaaaaam bin. 
Als mir klarwurde, welcher Tag ist und was heute auf dem Zettel steht, habe ich mich, so schnell das mit 40-Woche-Kulle möglich ist, aus dem Bett und durch den wirklich strömenden Regen zur Bahn gerollt. Um mit nur 15 Minuten Verspätung am Kreißsaal der Charité Mitte zu klingeln. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

26.09.2013, ungefähr 10:30 Uhr

Unser drittes Kind ist heute drei Jahre alt geworden. Ich kann es nicht fassen, wie schnell das ging. Seit mehr als einem Jahr schon großer Bruder, ist der einzige Junge der Paulabande das Hähnchen im Korb, rabenfrech, schlau, gewitzt, charmant, nonchalant, und ein echter Wüterich (Augen auf bei der Namenswahl...). Er quatscht wie ein Buch, ist seinem Alter nicht nur dank seiner beiden großen Schwestern weit voraus, und hat eine unglaubliche Gabe, seine Mitmenschen um den Finger zu wickeln. Es fällt nicht nur mir schwer, ihm länger als 5 Minuten böse zu sein - obwohl das manchmal angebracht wäre, gerade zur Zeit. "Ausgeprägte Autonomiephase" hat die Kinderärztin letzte Woche in sein U-Heft geschrieben, besten Dank. War uns noch gar nicht aufgefallen.


Die Wimpelkette hängt hier immer, wenn ein Kind Geburtstag hat. Aus mir unerfindlichen Gründen heißt sie beim Lieserich "die Party". Er war sehr entzückt heute morgen, als er aufstand und feststellen durfte, dass "du die Party schon aufgehängt hast, Mama. Jetzt hab ich Geburtstag und bin groß. Wir können feiern".


 
Mein Sohn in Feierstimmung. Sein aktuell liebstes Feieroutfit: das Mia&Me-Kostüm der besten Freundin der Liese. Er liebt diesen Zwirn, wie er überhaupt momentan ein Faible für Kleidchen aller Art hat. Was er dank zweier großer Schwestern ja auch weidlich ausleben kann. Wenn auch im Normalfall nicht in oben sichtbarer Farbkombination. Fällt hier eigentlich aus wegen ist nicht. 

Neben "alles von Feuerwehrmann Sam" (mögen der Erfinder dieser Figur und der Komponist der Titelmelodie in der ewigen Verdammnis des schlechten Kinderfernsehens schmoren. Wie bescheuert ich den finde, und meine drei großen Kinder lieben diesen Blödmann) hatte er einen besonderen Wunsch: ein eigenes Kleid, kein abgelegtes der Mädels, sollte es sein. Sondern eins nur für ihn.

 Bitte sehr, bitte gleich. Das Raglankleid von Klimperklein passt auch Jungs prima, und der Regenbogenringel, den ich mal beim Stoffloft gekauft und langelange gestreichelt hab, steht dem strohblonden Wicht einfach prima. Damit alle wissen, dass er jetzt groß ist, mit Altersangabe.


 "Mama! So ein schönes Kleid. Des is meins, das kann ich jetzt immer anziehen."
Mit Hüpferung. Das Kind ist glücklich, und das macht mich froh. 


Tobetauglich ist es auch. Die nachmittägliche Spielplatzsause hat es genauso gut vertragen, wie die Feier im Kindergarten. Nur ein bißchen warm war es vielleicht, wir hatten heute 24°, da sind langärmelige Sweatkleider doch noch ein bißchen viel. Egal, der Herbst kommt, das verraten neben morgendlicher und abendlicher Kühle auch das Licht und der Geruch, wenn die Sonne langsam untergeht und das Gras feucht wird.

Ich bin so dankbar für meine lebenslustige Kindergang. Egal, wie tief das Loch ist, in dem ich stecke - wo sie sind, ist es hell, laut und bunt. Weil sie Kinder sind, weil sie neu sind in der Welt und weil sie neugierig sind auf diese Welt. Diese mit ihnen nochmal neu zu entdecken, und die alltäglichen Anforderungen einer größeren Familie sorgen dafür, dass ich nicht völlig versumpfe. 

Weil es aber die ungefähr allerletzte Aufgabe eines Kindes ist, seine Eltern glücklich zu machen, werde ich alles mir mögliche tun, mein eigenes Licht heller zu drehen. Es wäre doch gelacht, wenn mir das nicht gelingt.